Macht euch frei – Die freie Menstruation

Das Thema ist mir schon seit einer Weile eine Herzensangelegenheit. Weil ich finde, dass es jede Frau zumindest einmal gehört, besser  noch selber getestet haben sollte: Die freie Menstruation.

Seit ich meine Menstruation zum ersten Mal bekommen habe, war diese immer mit starken Schmerzen verbunden. Und mit der Gewissheit, dass das eben dazu gehört, dass es normal ist. Dass es auch normal sein kann, dass man bis zu 7 Tagen oder gar noch länger menstruiert. Dass man während dieser Tage entweder Tampons oder  Binden benutzt. Und dazwischen Slipeinlagen. Mit den ersten Partnern kommunizierte ich über dieses Thema nur verschämt, ich sah immer zu, dass sie es am besten gar nicht mit bekamen. Am geeignetsten erschien mir da von Anfang an die Verwendung von Tampons. Das Einführen und Tragen war dabei oft unangenehm, es widerstrebte mir. Aber so war es halt, es gehörte dazu. Ebenso wie die regelmäßige Einnahme von Schmerzmitteln, um zu verhindern, dass alleine das zusammen gekrümmte liegen im Bett die einzig aushaltbare Position war.

Dann vor etwa einem halben Jahr hörte ich zum ersten Mal von der Möglichkeit, völlig ohne Tampons und Einmalbinden während der Tage auszukommen, indem man das Ablassen des Menstruationsblutes kontrollierte und es auf der Toilette erledigte. Ebenso wie die anderen Geschäfte auch. Meine Kollegin erzählte mir davon. Ich fand es interessant und es erschien mir logisch, dass man das ebenso wie andere Körperfunktionen willentlich kontrollieren kann, wenn man es übt. Trotzdem schloss ich es zunächst für mich aus. Es erschien mir völlig unpraktikabel im Alltag. Einige Monate später gab mir mein Mann das nächste Mal Anlass meine bisherige Menstruationsroutine zu überdenken. Bereitwillig ließ und lässt er sich auf alle meine ökologischen und nachhaltigen Ideen  und Vorstellungen ein. Das Verwenden von Stoffwindeln machte er ebenso selbstverständlich zu seinem eigenen Umgang wie die Verbannung von Küchenpapier und Servietten, das Waschen mit selbstgemachten Waschmittel und das Putzen ohne herkömmliche Putzmittel. Und irgendwann kam er damit um die Ecke: „Du schaust bei allen möglichen Sachen, wie man sie umweltverträglicher und nachhaltiger ersetzen kann, du bist überzeugt von Stoffwindeln. Aber bei dir selber benutzt du diese Wegwerfartikel, wenn du deine Tage hast. Das macht doch irgendwie keinen Sinn und ist  auch total unöko, oder?“. Ja. Das stimmte, uneingeschränkt. Und so begann ich statt Tampons Stoffbinden zu verwenden. Und wieder über das Thema freie Menstruation nachzudenken. Ich recherchierte, ich befragte meine Kollegin erneut. Und probierte es im nächsten Zyklus aus. Es klappte sofort erstaunlich gut. Nicht perfekt, klar, aber viel besser als ich dachte. In den folgenden Zyklen kamen noch einige positive Begleiterscheinungen dazu: Weniger Schmerzen, und schließlich nur noch am ersten Tag der Periode ein Ziehen im Rücken, bevor mir überhaupt klar war, dass ich jetzt meine Tage bekomme. Die restliche Menstruation verlief dann nahezu schmerzfrei. Je besser ich es kontrollieren konnte, desto weniger Schmerzen waren vorhanden. Im zweiten oder dritten Zyklus nach Beginn meiner Testphase pegelte sich die Stärke und Dauer meiner Blutung plötzlich herunter. 1 bis 2 Tage stärkere Blutungen und drumherum ein An- und Abklingen. Das war´s! Ein immenser Unterschied zu vorher. Auf Schmerzmittel verzichte ich nun bereits  seit einigen Zyklen gänzlich. Auf Stoffbinden nicht, die verwende ich nach wie vor als Backup, als Sicherheit. Vor allem auch für Momente, in denen es mir nicht möglich ist zum Ablassen des Menstruationsblutes die Toilette aufzusuchen. Zum Beispiel wenn ich arbeite oder gerade unterwegs bin und keine Toilette in Sicht. In einem guten Zyklus, indem ich Zeit habe achtsam zu sein, nutze ich während meiner gesamten Menstruation nur eine handvoll Stoffbinden. Soviele Tampons wie ich jetzt in einem Zyklus Stoffbinden benötige, habe ich früher an einem Tag verbraucht.

Wie funktioniert das ganze nun und warum? Im Grunde ist es ganz einfach, es erfordert nur etwas Achtsamkeit für seinen eigenen Körper – was ohnehin immer eine gute Sache ist, gerade für uns als Frauen und als Mütter. Seinen Körper und dessen Prozesse und Vorgänge zu kennen ist für das eigene Wohlbefinden eine enorme Bereicherung. Auch dazu trägt der „Selbstversuch freie Menstruation“ ein gutes Stück bei. Viele Frauen, die bereits Kinder haben, stellen fest, dass der Wehenschmerz dem starkem Menstruatinsschmerz gar nicht unähnlich ist. Viele Frauen spüren ein ziehen und drücken im Unterleib und oft auch im unteren Rückenbereich während ihrer Tage, wie auch unter der geburt. Dass sich diese beiden Schmerzerfahrungen ähnlich anfühlen, ist dabei ganz logisch: Bei beiden Vorgängen wird Druck auf den Muttermund ausgeübt. In dem einen Fall durch das Baby, das nach draußen drängt, im anderen Fall durch angestautes Menstruationsblut, das dann irgendwann nach draußen abläuft. Das tut es aber nicht stetig, sondern erst wenn sich eine kleine Menge angesammelt hat. Erst dann dringt das angestaute Blut durch den Muttermund nach Außen. Das Ablaufen ist also der Vorgang, der beim freien Menstruieren abgepasst bzw. später dann willentlich herbei geführt wird. Zunächst ist es hilfreich einfach regelmäßig, etwa alle Stunde, auf Toilette zu gehen und zu versuchen seinen Muttermund zu erspüren. Das geht ganz gut, indem man versucht dieselbe An- und Entspannung herbeizuführen, die es auch für das Urinieren braucht. Wer seinen Beckenboden ganz gut kennt und willentlich Anspannen und Entspannen kann, kann sich dies hierbei auch sehr gut zu Nutzen machen. Manche versuchen einfach bewusst locker zu lassen, anderen schieben oder pressen etwas, um so zu ermöglichen, dass das Blut über den Muttermund nach draußen abfließen kann. Das bedarf allerdings einiger Minuten Ruhe, um auch sicherzustellen, dass der vorhandene Stau gänzlich abgeflossen ist. Anschließend hat man normalerweise einige Zeit Ruhe. Ist man noch ungeübt, geht man lieber sofort beim ersten Verdacht, es könnte wieder soweit sein zur Toilette. Wenn man bereits etwas Übung hat, können viele es auch wissentlich einige Zeit zurück halten und so den Zeitpunkt des Ablassen selber bestimmen.

Durch das regelmäßige und wissentliche Ablassen entsteht meist kein größerer Stau mehr, der dann die schmerzhaften Unterleibskrämpfe herbeiführt. Denn der Schmerz entsteht ja überwiegend durch den Druck auf den Muttermund durch den großen Blutstau. Lassen wir den Stau einfach regelmäßig ab, entsteht auch kein Druck, der dann zu Verkrampfungen und Schmerzen führt. Ein weiterer Faktor, warum die Schmerzen bei freier Menstruation deutlich vermindert bis nicht vorhanden sind, ist, dass bei der Verwendung  von Tampons nicht nur das Menstruationsblut aufgesaugt wird, sondern den Schleimhäuten auch ein Großteil der natürlichen Befeuchtung entzogen wird. Dire Schleimhäute werden sozusagen trocken gelegt, was ein unnatürlicher Zustand ist, der ebenfalls Schmerzen herbeiführen oder begünstigen kann. Deswegen bessert sich das Schmerzsituation auch schon häufig bei Frauen, die auf Stoffbinden oder Menstruationstassen umsteigen. Die übermäßige Austrocknung der Schleimhäute findet dabei ebenfalls nicht mehr statt.

Wie schon erwähnt, es bedarf ein bisschen Übung und es gibt auch durchaus Tage oder Zyklen, da klappt es weniger gut, weil einfach viel zu tun ist. Aber trotz Kindern und Beruf, ist es machbar. Es hat mir eine enorme Erleichterung verschafft und ein Körpergefühl noch weiter geschärft und verbessert. Und egal mit welcher Frau ich über dieses Thema spreche, sie alle sind meist interessiert, die meisten können von mehr oder weniger starken Schmerzen berichten. Und ausnahmslos jeder Frau, die es bereits ausprobiert hat, berichtet positiv überrascht davon. Bitte, liebe Frauen, versucht euch daran!

Und wenn ihr es ausprobiert habt: Berichtet bitte!

Als nächstes werde ich einen Artikel über Stoffbinden schreiben. Habt ihr damit bereits Erfahrungen? Berichtet gerne! Auch das Thema hormonlose Verhütung steht bei mir schon lange auf dem Zettel. Habt ihr davon schon einmal gehört?

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